Die Werke Toni Hafners in der Pfarrkirche Zeltweg

Vor 60 Jahren: „Christus bei Zeltweger Arbeitern“
Die Herz-Jesu-Kirche in Zeltweg wurde … in den Jahren 1904 bis 1906 in neugotischer Form erbaut. Durch die kriegerischen Luftangriffe auf den Ort zu Ostern 1945, die ein Ruinenfeld mit 45 Toten und 86 Verletzten hinterließen, erlitt auch die Kirche arge Beschädigungen. 1953 kam der Pfarrer Josef Trasischnik nach Zeltweg, der noch im selben Jahr die Renovierungsarbeiten vorantrieb und auch den Maler und Bildhauer Toni Hafner für künstlerische Aufgaben heranzog.
Damit hatte der Pfarrer eine gute Wahl getroffen, zumal Toni Hafner schon damals seine sakralen Darstellungen mit Vorliebe in die jeweilige lokale und soziale Gegenwart stellte. So entstand auch in der Zeltweger Pfarrkirche über dem Hochaltar ein sieben Meter hohes und drei Meter breites Wandbild, das Christus nicht nur von Engeln umringt, sondern auch mit Arbeitern an seiner Seite zeigt.
An die Ausführung dieses 1953 der Kirche von der NAPIAG- Packmittel- Industriegesellschaft gewidmeten Bildwerkes erinnerte sich der Künstler immer wieder gern mit verhaltenem Schmunzeln: Weil das hölzerne Arbeitsgerüst in großer Eile aufgestellt worden war, geriet es mitunter – besonders bei kräftiger Pinselführung – bedenklich ins Schwanken. Es fehlten auch sogenannte „Scheulatten“, die mehr Sicherheit geboten hätten. Nicht fehlte es hingegen an Neugierigen, die den „Akrobaten“ auf seinem wackeligen Arbeitsplatz bewunderten, den von seiner Aufgabe durchdrungenen Maler aber kaum abzulenken vermochten. Als sich eines Tages einer aber doch all zunahe heranwagte und das Gerüst sogar bestieg, wurde es dem sonst durchaus gutmütigen Meister doch zuviel. Und von der Höhe des bereits ins Schwingen geratenen Gerüstes rief er dem Zudringlichen zu: „Welcher Narr hat denn den Leichtsinn, da heraufzukraxeln?“ Die Antwort bekam der Verärgerte sogleich als beruhigenden Zuspruch zu hören: „Wennst schwindlig bist und Angst hast, halt dich beim Pinselstiel an!“ Der kluge Ratgeber war der Pfarrer höchstpersönlich.
Vor 50 Jahren: Stationen aus Stein
Im Zuge der Kircheninnenrenovierung der Pfarrkirche Zeltweg 1962/63 wurde ein neuer Kreuzweg aus Stein von akad. Maler Anton Hafner gemeißelt. Vierzehn Stationen in Sandstein, von der Verurteilung durch Pilatus bis zur Grablegung im Garten des Joseph von Arimathea. Dokumentation der Tragödie unserer Erlösung in neuzeitlicher Fassung. Die Kosten des Kreuzweges betrugen samt Kerzen 36.400 Schilling.
„Jesus der Kinderfreund“
Dieses Bild ist das letzte Werk von Anton Hafner. Es ist ein Geschenk des Künstlers an die Pfarre Zeltweg.Trotz fortschreitender Sehschwäche malte und zeichnete er bis zu seinem Lebensende. Leider konnte er das Bild nicht mehr selbst fertig stellen. Sein Enkelsohn, der freischaffende Künstler Mag. Stephan Hafner hat den Wunsch seines Großvaters erfüllt und das Werk nach den Anweisungen seines Großvaters behutsam und stilangepasst fertig gestellt.
Der Künstler Toni Hafner
Toni Hafner wurde am 26. Oktober 1912 in Maria Lankowitz geboren. Seine Eltern waren Maria und Josef Hafner, welcher Tischlermeister, Kapellmeister, Chorleiter und in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts auch Bürgermeister von Maria Lankowitz war.
Mit drei Geschwistern wuchs er wohlbehütet heran und hatte in seinem musikalisch hochbegabten Vater, der auch ein sehr guter Zeichner war, den ersten Lehrer.
Seine Ausbildung als Kunstmaler genoss er in Graz, Wien und auch in Rom.
Da er die Ideologie des Nationalsozialismus ablehnte, wurde er bedroht und musste aus seiner Heimat flüchten. Er verbrachte mehrere Monate als Kumpel in einem Bleibergwerk in Deutschland.
Eine glückliche Fügung bot ihm 1939 Beschäftigung als Maler und Bildhauer in einem Atelier für christliche Kunst in Neisse in Schlesien.
In Neisse lernte er auch seine spätere Frau Magda kennen, die er 1943 dort heiratete. Schon 1941 wurde er aber auch zum Kriegsdienst einberufen. Nach Einsätzen an der Ostfront und amerikanischer Gefangenschaft kam er nach Kriegsende in seine Heimat zurück.
1946 gelang es ihm, seine heimatvertriebene Frau mit ihren Eltern und ihrer Schwester nach Maria Lankowitz zu holen.
In den darauf folgenden Jahren kamen seine drei Kinder Gregor, Felicitas und Ursula, zur Welt.
Als freischaffender Kunstmaler und Bildhauer entfaltete er seine Fähigkeiten und schuf eine Vielzahl an sakralen Werken in der Steiermark und darüber hinaus. Sein größtes Werk ist das Kuppelfresko in der Pfarrkirche in Wies, Bezirk Deutschlandsberg. Wichtige Schwerpunkte in seinen Arbeiten waren auch die Porträtkunst und das Sgraffito.
Nicht nur in Österreich, in der Schweiz und in Deutschland, sondern auch in den USA, Kanada und in Israel finden sich Werke von ihm.
Neben der bildenden Kunst spielte auch die Musik eine wichtige Rolle in seinem Leben. So engagierte er sich in Maria Lankowitz als Organist und Regens Chori.
Aus seiner tiefen Frömmigkeit heraus entstanden mehrere sakrale Kompositionen.
1986 starb seine Frau Magda, und 1989 heiratete er seine zweite Ehefrau Luise, mit der er bis zu ihrem Tod noch zwanzig gesegnete Jahre verbringen konnte.
Diesen noch einmal neuen Lebensabschnitt in fortgeschrittenem Alter verlebte er hauptsächlich in Eibiswald, wo er viele gute Freunde hatte und ihm von der Bevölkerung große Wertschätzung entgegengebracht wurde.
Die Vereinigung bildender Künstler Steiermark zählte ihn zu ihren Mitgliedern. Öffentliche Anerkennung erhielt er mit dem Großen Ehrenzeichen des Landes Steiermark, mit der Silbernen Ehrenmedaille der Stadt Graz, mit dem Ehrenring und der Ehrenbürgerschaft seiner Heimatgemeinde, mit der Viktor-Zack-Medaille des Steirischen Sängerbundes und zuletzt mit dem vom Bundespräsidenten verliehenen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst.
Im Alter von 90 Jahren schuf er die 5 Heiligenfiguren im Kirchhof von Maria Lankowitz. Es war dies ein Geschenk von ihm an die Bewohner von Maria Lankowitz.
Toni Hafner war nicht nur sakral-musikalisch engagiert. Schon als Jugendlicher wirkte er in der Musikkapelle, die sein Vater leitete, als kleiner Tambour und im damaligen Männergesangverein mit. Als Chormeister und auch Obmann des Gesangsvereines Maria Lankowitz, heute Hafner-Chor Maria Lankowitz, war er im Kulturleben von Maria Lankowitz nicht wegzudenken. Als Ehrenchormeister war er dem Hafner-Chor immer verbunden.
Besondere Freude bereitete ihm die Ausstellung, die er zusammen mit seinem Enkel, dem Künstler Stephan Hafner, in seinem letzten Lebensjahr im Schloss Maria Lankowitz gestaltete und für die er noch neue Werke schuf.