Beschreibung des Kirchengebäudes

Mit dem 70 m hohen Fassadenturm, dem Langhaus, dem Chor und der seitlich angebauten Sakristei orientiert sie sich an steirischen gotischen Vorbildbauten, ohne dabei auf eigenständige Detaillösungen zu verzichten. Die neogotische Außengestaltung ist, da es keine späteren Zubauten gibt, harmonisch, alle Bauteile sind nicht nur baulich sondern auch formal miteinander verbunden.
Der über zwei Geschosse mit dreistufigen Strebepfeilern verstärkte Turm ist an die Eingangsfront mittig angebaut, sodass nur mehr relativ schmale Mauerbahnen des Langhauses frei bleiben. Vor dem über mehrere Stufen erreichbaren Hauptportal bildet die mit den Strebepfeilern bündig schließende Verdachung eine kleine Vorhalle als Witterungsschutz. Das Langhaus ist durch übereck gestellte Strebepfeiler begrenzt und die Längsfronten durch je zwei weitere Strebepfeiler gegliedert; ein (Kaff-)Gesims unterschneidet diese. Außer den rechteckigen Fenstern in der nördlichen Achse sind in die Wandfläche je drei Spitzbogenfenster mit einfachem Gewände eingeschnitten. Die beiden Seiteneingänge in den Mittelachsen sind seit 1953 nicht mehr in Verwendung. Über dem das Mauerwerk abschließenden Kranzgesims erhebt sich das steile Dach mit Schopfwalmabschluss an der Chorseite.
An das Langhaus schließt sich in typisch gotischer Bauweise der etwas niedrigere polygonale Altarraum (Chor) mit Strebepfeilern und Spitzbogenfenstern sowie Walmdach an. Ostseitig wird seine Längsfront durch den zweigeschossigen Sakristei- und Emporenanbau mit Pultdach verdeckt, der wiederum von z. T. übereck gestellten Strebepfeilern gestützt wird; die Fenster sind im Erdgeschoss rechtwinkelig, im Obergeschoss spitzbogig.
Durch das kreuzgratgewölbte Turmerdgeschoss betritt man das Kircheninnere. Die architektonisch unauffällige Orgelempore stützt sich auf zwei Pfeiler. Die Orgel war im 19. Jahrhundert vom Grazer Orgelbauer Karl Billich für die Grazer Marienkirche gebaut worden. 1906 wurde sie vom Kirchenbauverein angekauft und von der Grazer Orgelbaufirma Mauracher in der neuen Zeltweger Kirche aufgestellt.
Die einschiffige Saalkirche zeichnet sich durch ausgewogene Raumproportionen aus. Im unteren Bereich sind die Mauern weitgehend ungegliedert; die Konsolen der Gurtbögen, welche die Kreuzgratgewölbe der Joche gliedern, sind auf Fensterhöhe angesetzt. Die obere Hälfte des Schiffes erscheint dadurch stärker gegliedert. Die beidseitig eingesetzten Rechteckfenster unter der Orgelempore, künstlerisch gestaltet von Alois Mosbacher, dienen der Belichtung des Eingangsbereiches. Die beiden spitzbogigen Seiteneingänge hingegen werden heute als Aussprachezimmer und Seitenkapelle (Lourdes-Grotte) genützt. Die figural gestalteten Glasfenster der Fünfzigerjahre, welche die durch die alliierten Luftangriffe zerstörten ursprünglichen Glasfenster der Innsbrucker Glasmalerei Neuhauser ersetzen, fügen sich harmonisch in das Gesamtbild ein. Die modernen steinfarbenen Kreuzwegreliefs stammen vom steirischen Künstler Toni Hafner.
Der einjochige Altarraum (Chor) mit ?-Schluss ist leicht erhöht. Im Gegensatz zum Schiff kommt hier als Ausdruck der geistig höher zu bewertenden Funktion des Altarraumes eine stärkere Formensprache und Gliederung zur Geltung. Das Gewölbe entspricht in seiner Ausführung dem im Kirchenschiff. Die Fenster sind schmucklos eingeschnitten, sie haben jedoch noch die ursprünglichen, Heiligendarstellungen zeigenden Glasgemälde, signiert mit „F. Franz, Graz“. Der Chorschluss hat keine Fenster, die ganze Fläche wird von einem großen zeitgenössischen Wandbild eingenommen, das den auferstandenen, auf Wolken über den Industrieort Zeltweg schwebenden Christus darstellt.
Die neogotischen Altäre wirken im Verhältnis zum Kirchenraum klein. Der Hochaltar trägt auf der Rückseite folgenden erläuternden Text: „Dieser Altar wurde im Jahre 1906 unter Abt Severin Kalcher und Pfarrer P. Lorenz Novak in Lind errichtet. Entwurf Hochwürden Herrn Vinzenz Finster Pfarrer i.d.R. von Göss. Ausgeführt in Graz von Wilhelm Sirach, Vergolterei und Farbenfassung / Peter Neuböck Bildhauer; Joh. Rossmann Tischler“.
Die Mensaplatte ruht auf einem kräftigen dreiachsigen Sockel, dahinter steht der Tabernakel mit seitlichen Sockeln für zwei fialenbewehrte Baldachine mit Maßwerknischen. Unter den Baldachinen stehen die von Peter Neuböck geschaffenen Statuen der hl. Gotthard und Josef Nährvater auf der linken sowie Florian und Laurentius auf der rechten Seite. In der Mitte erhöht über dem Tabernakel befindet sich ein Baldachin mit der Herz-Jesu-Statue. Der im Zuge der Innenrenovierung 1990/91 aufgestellte stählerne Volksaltar wurde ebenso wie das Ambo vom einheimischen Oberwerksmeister Dieter Mörzl entworfen und ausgeführt.
Die beiden Seitenaltäre in ebenfalls neogotischem Stile sind architektonisch dem Hauptaltar ähnlich. Der links an der Triumphwand stehende Marienaltar zeigt die Himmelskönigin mit dem segnenden Jesusknaben, flankiert von ungefassten Reliefs der benediktinischen (St. Lambrechter) Heiligen Lambert und Benedikt. Am rechten Seitenaltar ist der hl. Josef ebenfalls mit dem segnenden Jesusknaben dargestellt, seine Begleiter sind die hl. Zeno und Wilhelm.
Kunsthistorisch erwähnenswert ist die Statue des hl. Johannes des Täufers aus dem 17. Jahrhundert, aufgestellt im Taufbereich.
Im rückwärtigen Bereich des Kirchenschiffes befinden sich noch Statuen der heiligen Thaddäus und Antonius. Die insgesamt jedoch für eine katholische Kirche spärliche Ausstattung liegt einerseits in den beschränkten Mitteln der Erbauer, anderseits aber wohl auch in der sich im frühen 20. Jahrhundert bereits ändernden Einstellung zur bildlichen Darstellung und Ausstattung von Sakralräumen.
Auf Initiative und nach den Entwürfen der beiden Pfarrer Mag. Johann Mosbacher (und seines Bruders Alois) und Mag. Alois Glasner wurden im Juni 1994 im hinteren Teil der Stadtpfarrkirche bei der Taufstelle neue Glasfenster eingesetzt, die in der Kunstwerkstätte des Stiftes Schlierbach (OÖ) angefertigt wurden.
Die Gliederung der Fenster in drei Felder auf der linken und vier Felder auf der rechten Seite weisen folgende Zahlensymbolik auf: Die Zahl drei ist die göttliche Zahl und die „4“ ist die Zahl der Erde; in dieser Spannung bewegt sich das Leben des Christen.
Die drei Felder auf der linken Seite:
Gott ist „Vater“ – Ursprung (Tor), aus dem alles hervorgeht; das Tor ruht auf rotem Grund – Gott ist die Liebe.
Gott ist „Sohn“ – Jesus Christus. Wie ein Weizenkorn stirbt, um Frucht zu bringen, so hat er sein Leben für uns in den Tod gegeben, um uns zur Auferstehung zu führen. Er sieht auf uns mit den 7 Augen des apokalyptischen Lammes Gottes.
Gott ist „Geist“ – der Lebensspender. Die lebendigen Formen zeigen das an. Kinder haben in diesen Formen auch einen Fußabdruck entdeckt: das Leben der Getauften ist eine sichtbare Spur Gottes.
Die vier Felder auf der rechten Seite:
Hier kann man die irdischen Symbole entdecken: die vier Elemente Luft, Feuer, Erde, Wasser. Ich erinnere mich an den Schöpfungsauftrag: Macht euch die Erde untertan. Der unverzichtbare Weltauftrag des Christen ist es, verantwortlich in dieser Welt zu leben und zu wirken, doch dabei Gott nicht aus dem Auge zu verlieren.