Das Pfarrleben ab 1930

1932 wurde P.Benno zum Pfarrvikar von Obdach bestellt, in Zeltweg folgte ihm von 1932 bis 1939 P. Modest Klacso als Pfarrvikar. Am 22. Juni 1936 visitierte Bischof Pawlikowski wiederum die Pfarre. „Zeltweg hat seit der letzten Visitation manche Stürme mitgemacht, weil sich die politischen Strömungen auch mit Gewalt Geltung zu verschaffen suchten“ – so leitet der Bischof seinen Visitationsbericht ein. Nach dem letzten Putschversuch (Juli 1934) sei Ruhe eingekehrt, der Glaube und die Kirche werde jetzt auch in Zeltweg nicht mehr geschmäht, im Gegenteil, es wachse sogar „das Vertrauen der Arbeiter zu Kirche“. Mit dem Kirchenbesuch ist der Bischof „unter den gegebenen Verhältnissen“ zufrieden. Er legt dem Pfarrvikar und dem Kaplan die Pflege der katholischen Organisationen besonders ans Herz. Laut Visitationsbericht gab es 1936 in der Pfarre folgende kirchliche Vereinigungen: Die im September 1934 errichtete Herz-Jesu-Bruderschaft mit 58 Mitgliedern, die im Oktober 1934 errichtete Marianische Jungfrauen-Kongregation mit 20 Mitgliedern. Die Ortsgruppe Zeltweg der K.F.O. zählte 160, der christliche Arbeitsbund 200 Mitglieder.
Der Nachfolger Klacskos, P. Fridolin Pirnath wurde im Dezember 1939 zum Pfarrvikar von Zeltweg bestellt. Er kam jedoch wegen angeblicher sittlicher Verfehlungen in die Mühlen der nationalsozialistischen Gerichtsbarkeit, weshalb im Februar 1941 P. Ottokar Kohlmeier, Pfarrvikar in Kleinfeistritz, zum interimistischen Seelsorger in Zeltweg ernannt wurde. Im Pfarrhof wohnten zahlreiche Untermieter, sodass für den Pfarrvikar nur mehr sehr eingeschränkte Wohnmöglichkeiten bestanden, weshalb P. Ottokar eine Übersiedlung von Kleinfeistritz nach Zeltweg ablehnte. Da Abt Wilhelm Blaindorfer, der seit der Beschlagnahmung des Stiftes St. Lambrecht im Mai 1938 durch die Nationalsozialisten seinen Sitz in Mariazell hatte, für die Seelsorge keinen Ordensgeistlichen zur Verfügung stellen konnte, ersuchte er Ende Februar 1941 den Diözesanbischof, „die Pfarre Zeltweg mit einem Weltpriester zu besetzen…“. Diözesanbischof Pawlikowski bestimmte deshalb am 13. März 1941 den Kaplan von Graz-St.Leonhard, Josef Jaklitsch, zum Provisor von Zeltweg. Doch auch er fand im Pfarrhof keinen Platz und verweigerte deshalb seinen Dienstantritt. Er forderte eine Adaptierung des Pfarrhofes und die Kündigung der im Pfarrhof wohnenden Parteien. Da es sich bei den Mietern großteils um Fliegerhorstangestellte handelte, wagte weder der Abt noch die Bischöfliche Finanzkammer die Kündigung der Mietverträge.
Als Ende April 1941 Jaklitsch seinen Dienst in Zeltweg noch immer nicht angetreten hatte, ernannte Bischof Pawlikowski den Brucker Stadtpfarrvikar Anton Lisa ab 1. Mai 1941 zum Pfarrvikar von Zeltweg. Er war den Zeltwegern in der schweren Zeit des Welkrieges ein treuer Seelsorger und deshalb hoch geachtet. Er fand sich auch mit den miserablen Wohnverhältnissen ab. Im Visitationsbericht vom 2. Juli 1946 notiert Bischof Pawlikowski: „Arm ist der Pfarrherr daran, was die Wohnungsverhältnisse betrifft. In dem kleinen, noch dazu bombengeschädigten Pfarrhof hausen außer ihm noch 3 Parteien, die wegen der Wohnungsnot nicht ausquartiert werden können… Die über 40 Jahre alte Kirche hat alle Fensterverglasungen verloren, die Fenster sind mit Brettern verschalt…“. Seine Eindrücke über Zeltweg gibt der Bischof folgendermaßen wieder: „… Der Ort ist übervölkert, die Wohnverhältnisse unzureichend, ein Großteil ist durch die Bombenangriffe schwer zerstört, für über 500 Wohnparteien sind noch Wohnungen zu beschaffen. Diese schreiende Wohnungsnot wirkt sich auf die Sittlichkeit ungünstig aus… Ein guter Stock von Familien ist gut gesinnt und religiös eingestellt, ein Teil – nicht unbeträchtlich – religiös gleichgültig. Im Allgemeinen wird aber jede Gehässigkeit gegen Kirche und Religion vermieden…“.
Im Herbst 1952 erkrankte Lisa plötzlich an Anämie und verstarb wenige Wochen später am 21. November 1952 in Wien. Sein Nachfolger wurde Josef Trasischnik, Kaplan in Trofaiach. Er trat am 1. Jänner 953 seinen Dienst als Pfarrvikar in Zeltweg an.
Mit Dekret der Konzilskongregation vom 13. Oktober 1958 wurden 10 dem Stifte St. Lambrecht inkorporierte Pfarren, darunter Zeltweg, aus dem Verbande des Stiftes gelöst und konnten somit vom Diözesanbischof frei verliehen werden. Die Pfarre war zwar aus personellen Gründen bereits seit 1941 mit Weltpriestern besetzt worden, ab dem Inkrafttreten der Exkorporation am 1. Jänner 1959 erloschen jedoch auch alle Ansprüche der Pfarre Zeltweg gegenüber dem Stift St. Lambrecht hinsichtlich Seelsorge, Besoldung, Baulast usw. Mit Wirksamkeit vom 1. März 1959 wurde deshalb dem bisherigen Zeltweger Pfarrvikar der Titel „Pfarrer“ verliehen.
1960/61 wurde neben dem Pfarrhof das Pfarrheim in der Hoffnung, damit das Pfarrleben und die Jugendarbeit effizienter gestalten zu können, errichtet. In den frühen Siebzigerjahren kam es jedoch zwischen Pfarrer Trasischnik und der Diözesanleitung zu teilweise heftigen Kontroversen über Methoden und Ziele der Pfarrseelsorge, des Religionsunterrichtes und der Jugenderziehung. Nachdem sich die pastorale Situation wieder etwas beruhigt hatte, wurde der schon seit Jahrzehnten fällige Neubau des Pfarrhofes (Baugutachter Architekt Eberhardt Jäger 1955: „Der Pfarrhof Zeltweg ist einer der schlechtesten in der Steiermark…“) und der weitere Ausbau des Pfarrheimes auf Drängen vor allem des Pfarrgemeinderates 1980 – 1982 in Angriff genommen. Wegen der untragbaren Wohnverhältnisse war Pfarrer Trasischnik bereits 1977 bis zur Fertigstellung des neuen Pfarrhofes 1982 in eine Mietwohnung umgezogen. 1987 trat Josef Trasischnik nach 34 Jahren als Pfarrer von Zeltweg in den Ruhstand.
Ab September 1987 übernahmen die zuvor als Kapläne in Eibiswald und Leibnitz tätig gewesenen Priester Mag. Alois Glasner und Mag. Johann Mosbacher die Pfarrseelsorge in Zeltweg in solidarischer Form.
Im Jahr 1991 wurde die Stadtpfarrkirche renoviert. Die Bausumme betrug 4,5 Millionen Schilling (327.000 Euro), die Hälfte davon musste von der Pfarre Zeltweg aufgebracht werden. Die Stadtgemeinde Zeltweg hat einen Beitrag von 500.000 Schilling (36.340 Euro) geleistet.
Die pfarrliche Bauleitung hatte Kommerzialrat Klaushofer erneuert federführend inne.
Neben den Professionisten legten auch viele ehrenamtliche Helfer, die Männer der Feuerwehren Zeltweg und Farrach, die Arbeiter der Stadtgemeinde Zeltweg und die Lehrlinge der Lehrwerkstätte der VOEST-Alpine Hand an, um dem Gotteshaus ein neues Kleid und Gesicht zu geben.
Die am meisten auffallenden neuen Gestaltungselemente sind der Altarraum mit neuer Stufenanlage und mit Altar und Ambo, die ein Werk des Künstlers Dieter Mörzl sind und von ihm und seinen Mitarbeitern in der VOEST-Alpine hergestellt wurden; weiters die Umgestaltung der Lourdesgrotte in einen Andachtsraum und die Adaptierung des zweiten Seitenraumes als Ausspracheraum. Der Taufort wurde im hinteren Bereich neu eingerichtet und mit einem Taufbecken von Dieter Mörzl ausgestattet. Bei diesen künstlerischen Arbeiten stand der Betrieb der Eisenbahnsysteme der VOEST-Alpine mit Direktor Auli in großzügiger Weise dahinter.
Am 17.11.1991 weihte Bischof Johann Weber unter Beisein der beiden Pfarrer von Zeltweg Mag. Alois Glasner und Mag. Johann Mosbacher mit einem Dankgottesdienst die neu renovierte und umgestaltete Stadtpfarrkirche Zeltweg ein. Dabei wurde in den Altar die Reliquie des Hl. Apostels Thomas feierlich beigesetzt.
Von September 2003 bis August 2011 wirkte Mag. Ewald Pristavec als Pfarrer in Zeltweg. Zeltweg war sein erster Pfarrersposten nach Kaplansstellen in Judenburg/St. Nikolaus und im Pfarrverband Schladming - Pichl -Ramsau.
Auf Initiative von Pfarrer Pristavec wurde im Februar 2007 der Bilderzyklus „Die 10 Gebote“ im Altarraum unserer Stadtpfarrkirche angebracht. Gestaltet wurde der Bilderzyklus von der slowakischen Künstlerin Vladimirá Sidorová.
Die Symbole der 10 Gebote sind aus handgeschöpftem weißem Papier.
Der Gesamteindruck entsteht durch Malerei in Acrylfarbe auf Holzplatte.
Die Anbringung des Bilderzyklus wurde durch das Sponsoring der Stadtgemeinde und Zeltweger Gewerbe- und Industriebetriebe ermöglicht.
Von September 2011 bis August 2020 wirkte Mag. Gerhard Hatzmann als Pfarrer in Zeltweg. Er war zuvor als Seelsorger im Pfarrverband Eibiswald – St. Oswald – St. Lorenzen – Soboth tätig.
Während seines Wirkens in Zeltweg wurde eine Reihe von Renovierungs- und Verbesserungsarbeiten in der Pfarrkirche und im Pfarrhof durchgeführt. Weiters seinen besonders die Bibelausstellung vom 24.1. bis 8.2.2015 sowie die Übertragung des Sonntagsgottesdienst in ORF und ZDF am 16.02.2020 genannt.
Von September 2020 bis August 2022 war Mag. Martin Trummler Pfarrer von Zeltweg.
Seit September 2022 ist Mag. Rudolf Rappel Pfarrer
von Zeltweg.